
Wir hatten uns mit der Spielaktion vorgenommen, den Jugendlichen eine Konsumwelt zu eröffnen, von der sie schon immer träumten - ein kleines Schlaraffenland.
Zu Spielbeginn konnten die Mitspielenden sich mit allem ausstatten, was ihr Herz begehrte (eine eigene Bude, ein Auto, ein Handy, reichlich zu futtern, Getränke ohne Ende und noch mehr).Außerdem konnten sie ein Outfit wählen, das zu ihnen passte. Der Haken an der Geschichte - sie mussten sich und ihren gewählten Lebensstandard finan-zieren und unterhalten können. Dazu hatten sie drei Möglichkeiten:
a) Arbeiten, Geld verdienen, um so die monatlichen Raten zu zahlen
b) Krumme Geschäfte zu tätigen
c) eine Nebentätigkeit aufzunehmen
Wer sich zu luxuriös - und das taten dann auch die meisten - von Spielbeginn an ausstattete, der kam schon schnell in eine finanzielle Not. Die Gefahr bestand, ins „Lodderleben“ abzurutschen. In diesem Stadium des Spiels fing es bei vielen im Kopf an „zu rattern“. Was ist zu tun? Illegale Geschäfte tätigen, um „an die dicke Kohle“ zu kommen, auf dem Weg der Legalität wandeln, und es mit einer Nebentätigkeit versuchen oder einfach den Lebens-standard herunterschrauben. Die zuletzt genannte Möglichkeit hatten sie, in dem sie ausgesuchte Güter ein-tauschen konnten, um so ihre monatlichen Belastungen zu reduzieren.
Alle Varianten waren im Spiel zu beobachten. Der überwiegende Teil versuchte sich mit „krummen Geschäften“ über Wasser zu halten, andere „malochten wie blöde“, nur um ihre Habseligkeiten beieinander halten zu können.
Erst, wenn der Absturz kurz bevorstand, tauschten sie ein. Das Outfit musste bleiben, die Wohnung konnte auch kleiner ausfallen, das Handy wurde nur schweren Herzens abgegeben, Urlaub war nicht so wichtig, aber eine „Waffe“ brauchte fast jede Person.
Die Mitspielenden sammelten während des Spiels „Lebenserfahrungen“, gingen immer vorsichtiger mit ihrem „sauer verdienten“ Geld um und gönnten sich nur das aller Notwendigste. Wer einmal ins „Lodderleben“ abgerutscht war, dem fiel es schwer, wieder ins gesellschaftlich angesehene Leben zurückzukehren. Der Anreiz bzw. die Ver-suchung, krumme Geschäfte zu tätigen, um sich ein Leben in „Saus und Braus“ zu gönnen, wurde nicht gerade verachtet. Die Hemmschwelle war nicht groß und so manche mitspielende Person verfiel den illegalen Geschäften. Einmal etwas „Verbotenes“ tun war eine reizvolle Angelegenheit für die MitspielerInnen. Nicht moralische Grundsätze oder ein schlechtes Gewissen, sondern die eigene Überzeugung war es, die dazu führte, den krummen Geschäften den Rücken zu kehren.